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Der Hochaltar
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(Foto: Peter Hömke, Nürnberg)

Der Hochaltar von St. Jakob
Flügellahm war er schon lange, unser Hochaltar aus dem Jahr 1360/70, der älteste erhaltene Flügelretabel Süddeutschlands und der älteste überhaupt, der sich - nach Pausen - noch immer an seinem angestammten Platz befand. Wenn man sich dem prächtigen Tryptichon näherte , sah man nicht gleich, dass die beiden Seitenflügel nur noch von Eisenträgern und Holzböcken gestützt in den ausgeleierten Angeln hingen, an ein Schließen war nicht mehr zu denken. Der Hochaltar hatte ja auch schon eine längere Odysee hinter sich - nach der Auslagerung im 2. Weltkrieg wurde er bis 1951 in der Lorenzkirche untergebracht, war dann kurz in der mitten im Wiederaufbau befindlichen Jakobskirche, und wurde wegen der Baumaßnahmen 1961/62 an das Germanische Nationalmuseum ausgeliehen.
 Nach seiner Rückkehr zeigte er deutliche Ermüdungserscheinungen. Wer die beiden Tafelgemälde auf den Außenseiten der Flügel sehen wollte - links die Anbetung der Könige mit erster Andeutung einer südländischen Landschaftsmalerei, rechts die Kreuzigung Christi noch ganz in mittelalterlicher Symbolik gemalt- musste hinter den Altar den Kopf in den Nacken legen. Es war auch eine umfassende Restaurierung dieser Tafelmalereien nötig, die erhebliche Schäden aufwiesen.


Zu viele Köche ...
In den vergangenen Epochen war man mit der Kunst des mittelalterlichen "Meisters vom Hochaltar" recht respektlos umgegangen. Der Deutsche Orden, der den Flügelaltar gestiftet hatte - die beiden Stifter sind auf der Passionsseite unter dem Kreuz knieend abgebildet - liess ihn in den Jahren 1154 und 1632 "modernisieren", was sich in weitläufigen Übermalungen ausdrückte. Dabei wurden auch einige Stellen verätzt. Nach der Säkularisierung hat dann der unter heutigen Denkmalpflegern berüchtigte Restaurator Carl Alexander von Heideloff den Altar nach seinem Verständnis Altar "re-gotisiert". Im German. Nationalmuseum versuchte man 1931 die barocken Übermalungen abzunehmen, was unter Zeitdruck wegen einer Ausstellung nur unvollständig gelang.

Ab in die Werkstatt

Nach langen, zähen Verhandlungen, Gutachten, Finanzierungsplanungen, runden Tischen, Colloquien - vor allem mit dem hochaltar-hintenLandesamt für Denkmalspflege - wurden die beiden Altarflügel im Sommer 2000 in die Werkstatt von Eike Oellermann nach Heroldsberg gebracht, der sich mit großem Engagement - zusammen mit seiner Frau Karin und seinem Mitarbeiter Ingo Trüper - an das machte, was er letzte große Herausforderung seines Lebenswerkes sah: die umfassende Entfernung aller Übermalungen und Retuschierungen auf diesen ältesten Tafelmalereien der Stadt.
Doch noch mehr Arbeit sollte auf ihn zukommen. Es zeichnete sich ab, dass auch das Mittelstück des Altars in die Werkstatt musste. Dazu waren lange Vorarbeiten nötig, wochenlang saß im Frühjahr 2001 der junge Architekturzeichner Gotthard von Montgelas auf einem dreistufigen Metallgerüst, wo er sich ein kleines Büro eingerichtet hatte, und fertigte ein millimetergenaues "Aufmaß" an - Fotos wären nicht präzise genug gewesen.

 

 

Ein Hauch von Hochaltar
Und dann nach Pfingsten war er plötzlich weg, der Altar. Nur noch ein paar Holzbalken blieben zurück auf einer verwaisten Stelle.
"Mitten hinein ins Sommerloch verschwand der Überrest der wunderbaren Teils" klagte Kirchenmusiker Bernhard Dier im Jakober Kirchenboten, "Einfach weg!" Doch er hatte eine Idee - zusammen mit dem Graphiker Jan Weidner entwarf er ein 12 qm großes Transparent aus gescannten Dias, Farbreflexen, Texten - ein luftiger "Hauch von Hochaltar", der zwar das Orginal nicht ersetzen konnte, aber ein bisschen tröstete und informierte, auch über die Benefizkonzerte, die im Hochchor stattfanden und die gewaltige Finanzlast von 210.000 Euro mindern sollten, die auf der Gemeinde - trotz Zuschüssen - lastete.


Familienzusammenführung
Die in der Predella der Altars integrierten Tonapostel, die als Spitzenwerke des in Nürnberg gepflegten sog. "weichen Stils" gelten, waren in der Zeit der Restaurierung zu Besuch bei ihren sechs Brüdern im Germanischen Nationalmuseum, das im Frühjahr 2002 eine Ausstellung "Die Apostel aus St. Jakob" organisierte, die wegen des großen Interesses bis September 2002 verlängert wurde. Doch das Exil dauerte noch an - erst Anfang 2003 zogen die Apostel zurück in ihre ursprünglich Behausung im heimgekehrten Mitteilteil des Altar - die vorsichtshalber einbruchsicher verglast wurde.

Wiedereinweihung am 27. Juli 2003
Mit Orgelklängen und mittelalterlicher Musik, Grußworten und Segenswünschen wurde der Hochaltar mit einem Festgottesdienst neu eingeweiht. Das damalige Pfarrquartett Helmut Weidinger, Thomas Kaffenberger, Ulrike Klein und Gottfried Peschke sprach Fürbitten, Kirchenvorsteher schmückten die Mensa. Es gab bewegende Momente der Freude und des Respekts, die auch Pfarramtsmitarbeiterin Sofie Osterkamp gezollt wurden, die mit großem Engagement von Beginn alle Maßnahmen begleitet und forciert hatte, die die Restaurierung des Hochaltars betrafen.
Golden schimmernd breitete er nun wieder seine Schwingen aus - das Kleinod war zurück gekehrt.

 

Das Kleinod kehrte zurück

 "Altar auf Intensivstation" - so lautete eine Pressenachricht vor zwei Jahren über unseren wertvollen Hochaltar aus dem 14. Jahrhundert, als nach den Seitenflügeln im Jahr 2000 auch noch der Mittelteil im Sommer 2001 in das Atelier von Eike Oellermann nach Heroldsberg gebracht wurde.

Im Advent 2002 kehrte das Mittelstück in die Jakobskirche zurück und die bereits 1999 renovierten 4 Tonapostel wurden - nach längerem Gastspiel im Germanischen Nationalmuseum - wieder in die Predella eingegliedert.

Im Juli 2003 kamen endlich auch die Seitenflügel zurück und der wieder vollständige Hochaltar wurde am 27.7. mit einem festlichen Gottesdienst neu eingeweiht.

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Ursula Prankel

 
   
 
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